Deut(sch)lich – Deutsch lernen macht Spaß!

Das Blog des Sprachzentrums TANDEM Göttingen

Archiv für August 2011

Sprachpanscher des Jahres 2011

Geschrieben von hilkoimsprachzentrum am 29. August 2011

Wie jedes Jahr (seit 1997) ist auch 2011 wieder eine zweifelhafte Auszeichnung verliehen worden: René Obermann ist „Sprachpanscher des Jahres“ (was panschen bedeutet, haben wir vor zwei Jahren hier erklärt). Der Chef der Deutschen Telekom hat den Preis bekommen, weil seine Firma ihre Kunden mit einer Fülle von Anglizismen verärgert. Wer bei der Telekom einen Telefonvertrag abschließen will, muss sich durch eine Menge englischer Wörter durchkämpfen, die nur zu Werbezwecken eingesetzt werden (bei der Konkurrenz sieht es allerdings kaum besser aus). Ein Großteil der Deutschen versteht am Ende gar nichts mehr, und für Deutschlerner, die  nicht zufällig auch noch Englisch sprechen, wird es noch schwieriger.

Das vielleicht extremste Beispiel hat die Modeschöpferin Jil Sander geliefert, die den Preis 1997 als erste bekommen hat, und zwar für diesen Text:

„Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das future Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladysches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.“

Kann mir das jemand übersetzen? Ich spreche sowohl gut Deutsch als auch gut Englisch, aber dieses Mischmasch sagt für mich gar nichts mehr aus. Und oft ist das auch das Ziel des Ganzen – durch den Einsatz von Fremdwörtern zu vermeiden, sich auf eine klare Aussage festlegen zu müssen.

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Wie konservativ ist Erz?

Geschrieben von hilkoimsprachzentrum am 25. August 2011

Es gibt im Deutschen viele Möglichkeiten, Adjektive zu verstärken. Die bekannteste ist zum wahrscheinlich das Wort „sehr“: sehr schön ist schöner als schön. Andere Beispiele sind total, voll, echt oder unglaublich. Manchmal setzen wir auch Adverbien ein, die allein eine negative Bedeutung haben, um positive Wörter noch positiver zu machen: furchtbar nett ist netter als nett, wahnsinnig lustig ist lustiger als lustig, und so weiter.

Eine andere Möglichkeit sind zusammengesetzte Adjektive. Hier gibt es ebenfalls eine reiche Auswahl an Präfixen, die die Bedeutung steigern können. Ein paar Beispiele? Bitte schön:

Erzkonservativ (konservativer als konservativ), steinreich (reicher als reich), todschick (schicker als schick), saukomisch (komischer als komisch), urplötzlich (plötzlicher als plötzlich). Die Präfixe können aber nicht beliebig mit den Adjektiven kombiniert werden – erzplötzlich oder steinkomisch zum Beispiel ergeben für Deutsche keinen Sinn. Am besten hört Ihr den Deutschen gut zu, welche Ausdrücke sie in der lebendigen Sprache benutzen!

Was denkt Ihr, welche der folgenden Worte es wirklich gibt? Die Antworten könnt Ihr gern in einen Kommentar schreiben.

todkomisch
urreich
todgefährlich
hochaktuell
grottendoof
katzenmüde
mausetot
brandschön

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Deutsche Dialekte (5): Ruhrpottsprache

Geschrieben von hilkoimsprachzentrum am 8. August 2011

Das Ruhrgebiet (oder wie man dort sagt: der Ruhrpott) ist eines der größten städtischen Gebiete in Europa. Es liegt im Westen Deutschlands, nicht weit von den Niederlanden, und besteht aus vielen zusammengewachsenen Städten, zum Beispiel Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg und vielen anderen. Früher war es vor allem eine industrielle Region, mit vielen Bergwerken und einer großen Stahlindustrie. Heute ist davon nicht mehr besonders viel übrig, aber die Sprache in der Region hat sich einen besonderen Klang behalten. Und, Traum aller Deutschlernenden: Mit den Fällen nimmt es das Ruhrdeutsch nicht so genau. Trotzdem gehört das Ruhrdeutsche eher zu den leichter zu verstehenden Dialekten in Deutschland.Wer das nicht glaubt, kann mal in den Ruhrdeutsch-Artikel bei der Deutschen Welle hineinhören.

Wie für viele andere Dialekte auch, gibt es übrigens natürlich auch Versuche, den Dialekt schriftlich zu benutzen. Zum Beispiel gibt es Asterix-Hefte auf Ruhrdeutsch (zum Beispiel „Zoff im Pott“ – auf Hochdeutsch „Streit um Asterix“), und auch eine Version von Max und Moritz („Manche Leute, gaarnich doof, hamen Hünerstall im Hof…“). Beide sind sehr lustig und wirklich empfehlenswert.

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Eine Sage vom Harz: Wolpersnacht in Celle

Geschrieben von juliaimsprachzentrum am 1. August 2011

Vor ein paar Tagen haben wir einen Ausflug nach Goslar gemacht. Und Goslar liegt im Harz. Und viele Sagen haben ihren Ursprung im Harz.

Zum Beispiel diese hier:

WOLPERSNACHT IN CELLE

In der Wolpersnacht – das weiß ein jeder – fahren die Hexen und die Hexenmeister auf den Blocksberg. Auch gibt es in jeder Stadt, natürlich meist ohne das Wissen der Leute, böse Menschen, die mit dem Teufel einen Pakt geschlossen haben und auf den Blocksberg reiten. Äußerlich kann man sie nicht von anderen Menschen unterscheiden. Wer aber den Mut hat, in der Wolpersnacht in den Mondschein hinauszugucken, der kann sie durch die Luft fliegen sehen und erkennt sie sofort, wenn er sie überhaupt kennt. In Celle nun war einmal ein Schneider, der vermutete, dass mit einigen seiner Kunden auch etwas nicht ganz richtig sei und wollte deshalb versuchen, sie in der Walpurgisnacht vorüberziehen zu sehen, um so der Wahrheit einen Schritt näher kommen zu können. Er guckt denn in der Wolpersnacht zum Fenster hinaus. Und richtig: Als die Glocke zwölf schlägt, kommt auch der Hexenschwarm auf Besenstielen und Heugabeln, auf Schlangen, Eidechsen und anderem Vieh durch die Luft gesaust. Der Schneider erkennt denn auch wirklich einige seiner Kunden wieder. Als sie aber wütend drohen und einen höllischen Lärm machen, wirft er vor Angst schnell das Fenster zu und ist froh, als der Zug fort ist. Allmählich aber fasst er wieder Mut. Und er braucht nur bis ein Uhr zu warten, um den Zug, der eben vom Blocksberg zurückkehrt, jetzt keck nach bekannten Gesichtern zu durchsuchen. Als nun seine Bekannten näher kommen, ruft er dem einen zu: „Guten Morgen, Herr Martin! O, ich kenne euch wohl!“ Da droht Herr Martin schrecklich mit der Faust. Und hast du nicht gesehen, hat der Schneider einen Kopf so dick wie ein Scheffelmaß, dass er ihn nicht mehr durchs Fenster in die Stube hineinziehen kann. Man hat nun das Fensterkreuz durchsägen müssen, um den Schneider aus seiner Klemme zu befreien. Ob sein Kopf aber wieder dünner geworden ist, das kann ich nicht sagen.

Wie findet ihr die Sage? Was ist das Überraschende? Zu welcher Jahreszeit (in welchem Monat) spielt sie? Kennt ihr ein anderes Wort für „Wolpersnacht“? Kennt ihr noch mehr Sagen?

Es grüßt julia

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