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Das Blog des Sprachzentrums TANDEM Göttingen

Zickzack-Dialoge im Sprachunterricht

Posted by hilkoimsprachzentrum - 2. November 2010

Eine schöne Übung im Sprachunterricht ist der Zickzack-Dialog. „Zickzack“ steht eigentlich für eine Linie oder auch eine Bewegung, die ungefähr so aussieht: 

Was hat das mit Sprachunterricht zu tun? Ich teile die Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen auf, die sich möglichst an einem langen Tisch gegenübersitzen sollten (falls der Platz dafür nicht ausreicht, geht es auch gut im Stehen). Jede Gruppe bekommt nun eine Rolle zugeteilt, die ich vorher auf kleine Zettelchen geschrieben habe. Wichtig ist: Jede Gruppe spielt gemeinsam jeweils eine Rolle! Bevor es nun losgeht, überprüfe ich, ob alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Rolle verinnerlicht haben. Meistens gehe ich dafür mit der einen Gruppe vor die Tür, kläre eventuell unbekannte Wörter und schwöre die Leute ein bisschen auf ihre Rolle ein. Das Gleiche mache ich dann noch mit der im Raum verbliebenen Gruppe. 

Dann kann es losgehen. Eine Person (1a) an einem Ende des Tisches beginnt und sagt etwas. Dann ist das Gegenüber (2a) an der Reihe und sagt etwas, dann der oder die zweite von der ersten Gruppe (1b), und so weiter. Wenn man am Ende des Tisches angekommen ist, geht es halt wieder von vorn los (siehe Grafik). Eine ungerade Zahl von Teilnehmenden ist übrigens kein Problem, dann redet man eben immer wieder mit anderen Leuten (was ja nicht schlecht ist).

 

Zickzack-Dialog

Zickzack-Dialog (Reihenfolge)

Ganz wichtig ist, dass die Teilnehmenden die Regeln strikt einhalten: Auch wenn 1a etwas sagt und 2a nur nachfragt „Wie bitte?“ oder „Wie meinst du das?“, darf darauf nur 1b antworten! Das zwingt alle dazu, den anderen gut zuzuhören, damit sich einerseits nichts unnötig wiederholt und man andererseits ein durchgehendes Gespräch bekommt.

Bei der Auswahl des Themas und der Rollen ist es wichtig, dass es Reibungspunkte gibt. Auf A2-Niveau zum Beispiel bieten sich leichtere Telefongespräche an, etwa bei der Suche nach einer Wohnung (auf dem Tisch liegt eine Wohnungsanzeige; eine Seite ist der Vermieter, der bestimmte zusätzliche Informationen hat, die andere der Wohnungssuchende mit bestimmten Wünschen, die natürlich nicht genau passen sollten). Auf etwas höherer Stufe benutze ich gern diese beiden Rollenbeschreibungen:

Gruppe 1:
Du heißt Hermann und bist seit 27 Jahren mit Berta verheiratet. Leider hört sie dir nie zu. Du hast ihr schon hundertmal gesagt, dass sie dein Frühstücksei genau viereinhalb Minuten lang kochen soll, aber es ist immer entweder zu hart oder zu weich. Das ist typisch für Berta – du arbeitest den ganzen Tag, und sie kümmert sich überhaupt nicht darum, was du möchtest. Heute sitzt ihr zusammen am Frühstückstisch und dein Ei ist mal wieder zu hart. Du weißt genau, wenn du ihr das jetzt sagst, gibt es wieder Streit über ganz andere Sachen, die mit dem Ei gar nichts zu tun haben. Aber dass das Ei zu hart ist, nervt dich zu sehr – du musst einfach etwas sagen…

Gruppe 2:
Du heißt Berta und bist seit 27 Jahren mit Herrmann verheiratet. Es ist eine ziemlich altmodische Ehe – er geht tagsüber zur Arbeit, und wenn er morgens und abends zu Hause ist, will er seine Ruhe haben. Im Haushalt macht er überhaupt nichts – das bleibt alles an dir allein hängen. Das kannst du ja noch verstehen, schließlich arbeitet er auch viel. Aber leider ist er nie zufrieden und kritisiert alles, was du machst. Das nervt dich kolossal. Heute sitzt ihr zusammen beim Frühstück und er hat gerade angefangen, sein Ei zu essen. Aus seinem Gesichtsausdruck kannst du schon sehen, dass er schon wieder nicht zufrieden ist…

Wenn die Gruppe dann mit dem Zickzack-Dialog fertig ist, kann ich den zumindest unter Deutschen sehr bekannten Fernsehsketch „Das Frühstücksei“ zeigen, auf den die Teilnehmenden dann bestens vorbereitet sind (auf Youtube ist leider nur dieser Auszug zu sehen).

Einen Nachteil hat diese Übungsform allerdings: Es ist ziemlich unberechenbar, wie lange sie dauert. Im Extremfall ist es nach einer Minute vorbei, weil das Gespräch eskaliert und von einer Seite abgebrochen wird. Dann ist das Verhältnis zwischen Vorbereitungszeit und Ertrag eher unbefriedigend. Falls es zu lang werden sollte, findet sich dagegen normalerweise immer ein guter Punkt, um das Gespräch zu beenden.

 

2 Antworten to “Zickzack-Dialoge im Sprachunterricht”

  1. Num said

    letzte Wochen haben wir auch diese Übung in unserem Unterricht gemacht. Es war sehr lustig und hat spaß gemacht.

  2. Ich habe die Übungsform bisher immer nur für Pro- und Kontra verwendet, aber diese Abwandlung finde ich super!

    Liebe Grüsse

    Cornelia

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