Deut(sch)lich – Deutsch lernen macht Spaß!

Das Blog des Sprachzentrums TANDEM Göttingen

Herein (wenn’s kein Schneider ist)!

Posted by hilkoimsprachzentrum - 26. Mai 2011

Früher hatte Deutsch eine klare Unterscheidung zwischen „herein“ und „hinein“, „herauf“ und „hinauf“, „herunter“ und „hinunter“, und so weiter. Die Wörter mit „her“ hießen „zu mir“, die mit „hin“ hießen „von mir weg“. Wenn ich also mit jemandem oben an der Treppe stand, konnte ich sagen „Geh hinunter“. Stand ich unten und der andere oben, sagte ich „Komm herunter“.

Heute ist dieser Unterschied fast verschwunden, zumindest in der mündlichen Sprache. Stattdessen sage ich in beiden Fällen einfach „runter“: „Geh runter“ oder „Komm runter“. Das ist natürlich viel einfacher. In einigen Situationen benutzt man allerdings noch die älteren Formen. Etwa, wenn jemand an die Tür meines Büros klopft – dann kann ich nach wie vor „Herein“ sagen (oder auch „Ja bitte?“). „Rein“ würde hier fast aggressiv klingen.

Manchmal sagt man auch noch scherzhaft „Herein, wenn’s kein Schneider ist“. Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass man etwas gegen den Beruf des Schneiders hat. Der Schneider steht hier vielmehr für den Schnitter, den Mann mit der Sense – und der ist ein Symbol für den Tod. Man kann das also als „Sie dürfen hereinkommen, wenn Sie nicht der Tod sind und mich holen wollen“ verstehen.

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